17.12.2025
Von Halle (Saale) ins internationale Rampenlicht: Vortrag am King’s College London
Ein starkes Zeichen für die internationale Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Halle:
Dr. Thomas Bartels von der Sportklinik Halle hielt gemeinsam mit Dr. Eduard Kurz von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen Vortrag auf der internationalen Fachkonferenz „Neurophysiological Bases of Human Movement 2025“. Die Veranstaltung wurde von The Physiological Society ausgerichtet und fand am 16.–17. Dezember 2025 am King’s College London (UK) statt. Sie zählt zu den weltweit renommiertesten Konferenzen im Bereich der Neurophysiologie der menschlichen Bewegung.
Ein Vortrag auf diesem Forum gilt als besondere Auszeichnung und unterstreicht die internationale Bedeutung der präsentierten Forschung. Die Referenten zählen zu den führenden Experten ihres Fachs. Die Konferenz schafft ein einzigartiges Umfeld, in dem Nobelpreisträger, Fellows der Royal Society und renommierte Wissenschaftler aus aller Welt zusammenkommen.
Thema des Vortrags: Does passive blood flow restriction affect central neuromodulation and motoneuron excitability? | Beeinflusst passive Blutflussrestriktion die zentrale Neuromodulation und die Erregbarkeit von Motoneuronen?
Hintergrund und Ziel der Studie
Die Blutflussrestriktion wird seit einigen Jahren erfolgreich im Training und in der Rehabilitation eingesetzt, um Muskelkraft und Funktion zu verbessern – häufig auch bei geringer mechanischer Belastung. Dabei wird durch spezielle Manschetten der Blutfluss zu Armen oder Beinen eingeschränkt, wodurch Reize entstehen, die das Nervensystem und die Muskulatur aktivieren.
Trotz der breiten Anwendung sind die zugrunde liegenden neuromuskulären Mechanismen bislang nicht vollständig verstanden.
Ziel der Studie von Dr. Bartels und Dr. Kurz ist es, zu untersuchen, ob eine kurzzeitige passive BFR-Intervention zentrale Anpassungsprozesse im Nervensystem beeinflusst. Im Fokus stehen dabei sogenannte persistent inward currents (PICs). Dies sind zentrale neuronale Verstärkungsmechanismen, die die Erregbarkeit von Motoneuronen erhöhen und damit die Muskelaktivierung beeinflussen.
Methodisches Vorgehen
An der Studie nahmen 13 gesunde männliche Handballspieler teil. Mithilfe moderner hochaufgelöster Oberflächen-EMG-Messungen (High-Density-EMG) wurden motorische Einheiten der Oberschenkelmuskulatur vor und unmittelbar nach einer fünfminütigen passiven BFR-Anwendung untersucht. Die Blutflussrestriktion erfolgte dabei mit 80 % des maximalen Blutdrucks in der Arterie.
Zentrale Ergebnisse
Die Auswertung zeigte einen klaren Effekt der passiven Blutflussrestriktion:
Die neuronale Erregbarkeit der Motoneuronen nahm signifikant zu. Konkret stieg ein etablierter neurophysiologischer Kennwert (Delta-F, ein indirektes Maß für PICs) um über 20 % nach der BFR-Intervention. Dieser Effekt trat unabhängig vom untersuchten Muskel auf, was auf zentrale neuronale Mechanismen hindeutet und nicht nur auf lokale muskuläre Effekte.
Bedeutung für Training und Rehabilitation
Die Ergebnisse liefern wichtige neue Erkenntnisse darüber, wie passive BFR das zentrale Nervensystem beeinflusst. Besonders relevant ist dies für die Rehabilitation:
Menschen mit Kniegelenksverletzungen oder nach Operationen leiden häufig unter einer verminderten neuronalen Aktivierung der Muskulatur. Die Studie legt nahe, dass passive Blutflussrestriktion dazu beitragen kann, diese neuromuskulären Einschränkungen zu reduzieren, indem sie die exzitatorische Plastizität des Nervensystems fördert – und das ohne aktive Muskelbelastung.
Der eingeladene Vortrag von Dr. Bartels und Dr. Eduard Kurz unterstreicht die internationale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Exzellenz der Forschung aus Halle. Gleichzeitig leisten die Ergebnisse einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis moderner Trainings- und Rehabilitationsmethoden und eröffnen neue Perspektiven für den klinischen Einsatz der Blutflussrestriktion.